Freitag, 30. Juni 2017

6 Regeln für einen guten Text



«Schreibe kurz und sie werden es lesen. Schreibe klar und sie werden es verstehen. Schreibe bildhaft und sie werden es im Gedächtnis behalten.» Dieses Zitat stammt von Joseph Pulitzer, einem amerikanischen Journalisten und Zeitungsverleger, nach dem unter anderem der Pulitzer-Preis benannt wurde, der für Journalisten etwa den Stellenwert eines Oscars hat. Pulitzers erste beide Sätze kann man vorbehaltlos unterzeichnen. Bildhaft schreiben ist in der Geschäftskorrespondenz aber nur dosiert zu empfehlen. 
 
Man kann aber sicher davon ausgehen, dass Pulitzer die folgenden 6 Regeln der Geschäftskorrespondenz auch gutheissen würde. Weil er 1911 verstorben ist, müssen wir allerdings es bei dieser Vermutung belassen.

Regel 1:  Klare und kurze Sätze

Der ideale Satz in einem E-Mail sollte nicht mehr als fünf bis sechs Wörter umfassen, in einem Brief nicht mehr als zehn bis zwölf. Was länger ist, kann nicht mit einem Blick erfasst werden und wird deshalb als mühsam empfunden.

So nicht:
Ich behalte mir vor, Ihnen kurzfristig abgesagte Therapiestunden privat in Rechnung zu stellen und bitte Sie deshalb, sich oder Ihr Kind im Verhinderungsfalle rechtzeitig, spätestens jedoch 24 Stunden vorher abzumelden.

Besser:
Nicht mindestens 24 Stunden vorher abgesagte Therapiestunden werden privat in Rechnung gestellt.

Regel 2: Keine Modalverben

«Es freut uns, Sie zu unserem Firmenjubiläum einladen zu dürfen.» Zu dürfen? Warum nicht direkt so: «Wir laden Sie herzlich zu unserem Firmenjubiläum ein»? Dürfen, können, mögen, müssen, sollen und wollen – mit diesen Modalverben kann man den Inhalt einer Aussage ändern. Es ist ein Unterschied, ob man darf oder muss. In der Geschäftskorrespondenz sind Modalverben aber meistens unnötig und vernebeln die Aussage.

Regel 3: Keine Nominalisierungen

Hauptwort, Dingwort, Substantiv, Nomen – die Wortart hat verschiedene ältere und neuere Bezeichnungen. Heute reden wir von Nomen. Damit die Sätze den Schwung nicht verlieren und nicht bürokratisch daherkommen, werden aus Verben und Adjektiven möglichst keine Nomen gebildet. Ganz schlimm wird es, wenn sie mit –ung enden: Rücksendung, Bemühung, Klärung etc.

Also statt so:
Für die Erteilung des Auftrages danken wir Ihnen.

Besser so:
Danke für den Auftrag!

Regel 4: «Gewöhnliche» Wörter wählen – Fremdwörter oder Fachausdrücke nur wenn nötig 

Schopenhauer hat gesagt: «Brauche gewöhnliche Worte und sage ungewöhnliche Dinge.» Dazu ist nicht immer ein Fremdwort oder eine Bezeichnung nötig, die ausserhalb des Fachbereichs kein Mensch versteht. Obwohl, man muss es zugeben, «Feedback» schöner klingt als die schreckliche deutsche «Rückmeldung».

Man kann es so sagen:
Als Attachement erhalten Sie die Bilder der neuen Location mitten in der City.

Oder so:
Hier die Bilder des neuen Standorts: toll, mitten im Stadtzentrum!

Regel 5: Positiv statt negativ

Wenn wir negative Sätze schreiben, setzen wir meistens das Adverb «leider» ein. Leider findet die Sitzung nicht statt. Leider haben wir dafür keine Zeit. Der Kurs ist leider ausgebucht. Leider müssen wir die Preise erhöhen. Leider kommt von Leid – und so schlimm ist es ja in der Geschäftskorrespondenz selten, dass «leider» immer sinnvoll ist. Streichen Sie leider aus Ihrem Wortschatz!

Regel 6: Aktiv statt passiv

Passiv heisst, von sich aus nicht die Initiative ergreifend, sich abwartend verhaltend, die Dinge an sich herankommen lassend, nicht tätig, nicht zielstrebig, nicht tatkräftig oder unternehmungslustig sein. So sagt es der Duden. Und er hat Recht, genau so kommen auch Passivsätze daher.

Darum umformulieren:
Die Unterlagen werden Ihnen in den nächsten Tagen zugesandt.
Wir senden Ihnen die Unterlagen so schnell wie möglich zu!

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