Dienstag, 26. Mai 2015

Die Floskel der Woche: «… gehört der Vergangenheit an»



Wenn man davon ausgeht, dass eine Floskel eine Floskel ist, weil sie routinemässig im Halbschlaf verwendet wird, dann ist «… gehört der Vergangenheit an» eine Oberfloskel. Man nehme eine beliebige Zeitung oder Zeitschrift und lese nach: «GC war jahrelang ein Spitzenklub. Das gehört der Vergangenheit an», «Die Schweiz war berühmt für ihr Bankgeheimnis. Das gehört der Vergangenheit an» oder «Das schöne Quartierfest gehört bereits wieder der Vergangenheit an».

«Gehören» bedeutet zwar, Teil eines Ganzen zu sein, zu etwas gehören – aber zur Vergangenheit? Statt Sätze mit dieser Phrase aufzublähen, besser: «GC ist kein Spitzenklub mehr», «Das Bankgeheimnis in der Schweiz gibt es nicht mehr» oder «Das Quartierfest ging am Sonntagabend zu Ende».



Montag, 18. Mai 2015

Die Floskel der Woche: «Wir bitten Sie um eine zeitnahe Antwort»



Hm – zeitnah? Heisst das schnell, umgehend, irgendwann, vielleicht oder auch nie? Der Duden übersetzt es mit «gegenwartsnah» und das macht uns ja auch nicht schlauer. In der Korrespondenz wird «zeitnah» oft verwendet, wenn die Verfasserin, der Verfasser nicht wagt, «schnell» hinzuschreiben. Das ist Unsinn. Diese Blähformulierung nützt niemandem und hinterlässt nur Fragezeichen. Also in den Papierkorb damit!

Besser, klar und verständlich: «Wir bitten Sie um Ihre Antwort bis Freitag, 13. Juli 2015.»

Sonntag, 10. Mai 2015

Die Floskel der Woche: «Wir würden uns über Ihren Auftrag sehr freuen»



Würden, möchten, dürfen …. Man nennt sie Modalverben und sie machen Sätze schwammig, unsicher, ziellos. Oder sogar feige, weil man nicht wagt, direkt auszusprechen, was man will. Darum heissen sie ja Modalverben, weil sie immer nur eine Möglichkeit, einen vagen Wunsch einleiten und alles offen lassen.

«Ich würde mich freuen», heisst noch lange nicht, dass ich mich freue. Ich ziehe es nur als Möglichkeit in Betracht. Und wenn ich schreibe «Wir würden uns auf Ihren Auftrag sehr freuen», ist das auch noch nicht ganz sicher. Damit signalisiere ich dem potenziellen Kunden nur: Ich weiss nicht so recht, es wäre eine Möglichkeit, aber es muss nicht unbedingt sein, dass Sie uns den Auftrag erteilen.

Also: Statt «Wir würden uns über  Ihren Auftrag sehr freuen», besser: «Wir freuen uns auf Ihren Auftrag!» Ja, mit Ausrufezeichen!




Sonntag, 3. Mai 2015

Die Floskel der Woche: «Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass …»



Kann man negativer in ein E-Mail, einen Brief einsteigen als mit «leider»? «Leider» kommt vom althochdeutschen «Leid» – betrübend, widerwärtig, unangenehm. So dramatisch widerwärtig geht es ja in der Geschäftskorrespondenz meistens nicht zu und her, dass man leiderfüllt, leidgebeugt und leidgeprüft eine Nachricht senden müsste.

Deshalb: weglassen! Statt «Leider muss die Sitzung verschoben werden» besser «Die Sitzung wird verschoben». Die meisten freut es ja sowieso.